Das falsche Allmachtsgefühl von Psychopathen

von Claudia Moscovici

Psychopathen sind nicht nur darauf aus, Kontrolle über Andere auszuüben. Durch das Kontrollieren Anderer streben sie ein Gefühl der Allmacht an. Diese Einstellung ist das Ergebnis einer Kombination ihrer Eigenschaften: geringe Impulskontrolle; die Absicht, Anderen Schaden zuzufügen (rücksichtsloses Wesen); sowie ein absoluter Narzissmus (ein durchdringendes Gefühl der Überlegenheit gegenüber allen anderen Menschen sowie das Gefühl, über allen Regeln und Gesetzen zu stehen, an die sich der Rest der Menschheit zu halten hat). Die Kombination aus diesen Qualitäten übersteigt – so stellt sich heraus – die Summe der einzelnen Eigenschaften. Das Ergebnis des Ganzen ist ein Mensch, der glaubt, er habe das Recht, Andere zu täuschen, zu manipulieren, zu benutzen, zu missbrauchen und zu missachten, und zwar ausschliesslich um des Vergnügens willen und aufgrund der Macht, die diesem Menschen durch eben jene Kontrolle zuteilwird.

Psychopathen beten ihren eigenen Altar an. Sie fühlen sich schlau genug, jemand anderen zum Narren zu halten und mit allem durchzukommen. Dieses Gefühl der vollkommenen Macht und Überlegenheit – Allmächtigkeit – veranlasst sie auch dazu, so schamlos zu lügen, mit ihren Opfern Katz- und Maus-Spiele zu veranstalten und, wenn sie eine Straftat begehen, die Medien und die Polizei dabei zu verhöhnen. Drew Peterson hat die Medien, die Öffentlichkeit und die Polizei auf berühmt-berüchtigte Weise verhöhnt, indem er um eine Dating-Show im Radio gebeten hatte, als er über den Mord an seiner vierten Frau befragt wurde. Psychopathische Sexualstraftäter nehmen Trophäen ihrer Opfer mit, stellen diese auf, machen die Tatorte gewissermassen zu Bühnen.

All diese abartigen Verhaltensweisen vermitteln ihnen ein falsches Gefühl der Allmächtigkeit – die Macht über Leben und Tod Anderer; und – was noch schlimmer ist – das Gefühl, mit allem davonzukommen, was sie tun. Selbst „versteckt kriminelle“ Psychopathen hinterlassen deutliche Zeichen für ihre Untreue, ihre Betrügereien und andere Missetaten, um zu sehen, ob diejenigen, die sie getäuscht haben, ihnen auf die Schliche kommen werden. Sie geniessen ihre Verstösse sogar umso mehr, wenn sie direkt vor den Augen ihrer Opfer mit ihnen davonkommen können.

Mehr noch: Psychopathen tendieren dazu, stets eine bestimmte Anzahl an Personen um sich zu scharen, von denen sie verehrt werden: seien es Familienmitglieder oder Ehepartner, die sie einer hinlänglichen Gehirnwäsche unterzogen haben, und/oder eine Reihe an Bekanntschaften, denen gegenüber sie lediglich ihren Charme, ihre „gute Seite“, zum Ausdruck bringen. Solche Individuen leben in einer Welt, die man auch als eine Art narzisstische Seifenblase bezeichnen könnte, in der sie sich „besonders“, wichtig und durch deren Assoziierung mit dem Psychopathen sie sich anderen Personen gegenüber überlegen fühlen. Auch das nährt die Illusion des Psychopathen, dass ihn jeder vergöttert, dass er mit allem davonkommen kann, und das, obwohl Psychopathen in Wahrheit die meisten Menschen um sich herum verprellen und allenfalls einen zwiespältigen Ruf als Dr. Jekyll / Mr. Hyde geniessen.

Wenn es irgendeinen Trost für ihre Opfer gibt, dann den, dass Psychopathen in Wahrheit am Ende immer den Kürzeren ziehen. Sie verlieren ihre Arbeit, ihre Beziehungen sowie das Vertrauen und die Loyalität Anderer. Mit jedem neuen Opfer fühlen sie sich wieder unbesiegbar. Wenn ein Opfer beginnt, das Ganze zu begreifen, dann machen sie einfach mit dem nächsten weiter, das ihnen dann wieder dieselbe Welle der Macht vermittelt. Psychopathen betrügen, belügen, bestehlen, verletzen und manipulieren Andere ausgehend von einer Position der Allmächtigkeit. Ihre grösste Stärke ist es, die Schwächen anderer Menschen zu erkennen. Ihre grösste Schwäche ist es, die Stärken anderer Menschen nicht zu erkennen.

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9 Antworten zu Das falsche Allmachtsgefühl von Psychopathen

  1. Becky schreibt:

    Mein ex sitzt seit mai in u haft …also schon 7 monate …
    Und hat eine anklage von Vergewaltigung, schwerer körperverletzung und Freiheitsberaubung.
    Und das alles von einem tag

  2. ROLXL schreibt:

    Ich kann diesen kurzen Artikel zu 100% bestätigen. Ich habe es am eigenen Leibe gespürt. Es war ein langjähriger Freund und später ein Arbeitskollege. Im Betrieb hat er mir zunächst mein kow how gestohlen und dann meine berufliche Karrire und Existens aus rein egoistischen und profilierungssüchtigen Motiven vorsätzlich und systematisch zerstört. Ich leide heute, nach einigen Jahren, noch darunter. In einer Selbsthilfegruppe von Mobbing Geschädigten versuche ich mit dieser Sache abschliesen. Ich wünsche keinem Menschen, dass er einen narzisstischen Psychopathen auf dem Leim geht.

  3. unicy schreibt:

    .. wie richtig und wahr dieser Beitrag.. vor allem der letzte Satz macht etwas Mut:
    “ Ihre größte Stärke ist es, die Schwächen anderer Menschen zu erkennen. Ihre größte Schwäche ist es, die Stärken anderer Menschen nicht zu erkennen.“ Am Ende sind sie es, die verlassen werden und deren Schlinge sich immer weiter zu zieht..

    • Frankyboy schreibt:

      Ich persönlich kenne mehr weibliche als männliche Psychopathen und Borderliner.
      Also besser Geschlechts – neutral argumentieren !
      Psychopathen sind nicht vornehmlich Männer

  4. Antonio schreibt:

    Wenn ich manche Organisationsmitglirder wie von Amway, Versicherungsgeselschaften (Pyramidensystem) usw. betrachte, da wimmelt es nur von Psychopathen. Man bildet sie gezielt für den Zweck aus. Die Oberpsychopathen und ihre Untertanen, die weniger intelligent sind, aber fürs Geschäft nützlich. 🙂

  5. Claus schreibt:

    Solche Menschen, besonders wenn es sich dabei noch um ein Elternteil handelt, können einem das ganze Leben zerstören. Es dauert zu verstehen was da passiert, es kann geschehen, dass man noch die Fehler bei sich sucht. Das macht alles noch schlimmer. Ich habe das o.g erlebt, alles, was dort angesprochen wurde. Nach Jahren vollständiger Distanz zu der Person habe ich den Fehler gemacht und auf eine „Altersweisheit“ gehofft und Kontakt aufgenommen. Von wegen Weisheit! Ein Granatenhagel war die Folge! Meine Erfahrung: Weg von so einem Menschen. Alles Reden ist sinnlos, dieser Mensch ist in seiner Realität und nichts bringt ihn da raus. Von so einer Person kann der Teufel lernen.

    • Brigitte schreibt:

      Hallo Claus ,
      ich hab mich vor einer Woche, von so einem Menschen getrennt. Besser gesagt, jetzt endlich wieder mal den Versuch gestartet,mich für immer von ihm zu lösen. Anfangs glaubte ich an die grosse Liebe. War aber nicht so. Fand heraus, dass ich nicht die einzige bin, die er beglückt hat. Das Schlimme an der Sache ist eigentlich, dass er diese Frauen zu sich nach Hause auch noch einlud. Ein Tag war ich dran, die anderen Tage, bis Freitag, die Nächsten. Wochenende verbrachten wir immer zusammen. Doch dem nicht genug. Er hat ja auch noch Krebs: Gehirntumor. Sagte er!!! Geht zweimal zum Bestrahlen…..Fällt urplötzlich in Ohnmacht usw….Bis auf letzte Woche. Jemand sagte zu mir, glaubst Du schon, dass das stimmt mit dem Krebs? Also beschloss ich mit Ihm in die Klinik mit zu fahrn Auch auf die Station mit zu gehn . Es war schon öfter, dass ich dabei war, aber ich wartete meistens ausserhalb der Klinik auf ihn. Folge war, niemand kannte Ihn in der Klinik. Weder die auf der Onkologie noch bei der Strahlentherapie! Er hat mich nämlich in der Cafeteria versucht abzustellen,klappte aber nicht. Folgte ihm und dann kam das eben raus. Ich bin psychisch am Ende, glaub an gar nichts mehr. Vorallem was ich mir alles gefallen lies, weil ich immer dachte, ich kann ihm helfen. Tja, geht nicht. Er lügt,betrügt,benützt dich, wie er es für sich braucht. Sogar die Ohnmacht ist vorgetäuscht. Das ist schon kriminell, was die machen, mit uns. Ich hoffe, dass ich jetzt es mit Hilfe einer Psychologin schaff, von ihm wegzukommen.
      lg Brigitte

  6. Lisa schreibt:

    zum Text:

    mein ex nahm ziemlich schnell Besitz von meinem eigenen Wohort. Vieles wollte ich gar nicht. Nach und nach fielen meine Möbel raus, wurden teilweise durch seine Möbel ersetzt. -> Teilweise! Dennoch hieß es irgendwann: “ Was gehört dir denn überhaupt noch??“

    Ich glaube nicht, dass so ein Satz respektvolle Liebe für einen anderen Menschen ausdrückt, oder?

    @ hagenglueck: ist der Satz richtig zitiert? Ich denke eher, dass ein Mensch Kontrolle über einen anderen Menschen erhält, wenn er diesem alles nimmt und nicht verliert.

    Nach der erfolgreichen Trennung werde ich nun von Gefühlen schöner Erinnerungen mit ihm heimgesucht. Leider hält er sich noch immer in meinem unmittelbaren Umfeld auf, friedlich aber er ist präsent 😦

    Präsent mit ihm sind aber auch Miet-Nomaden-Verhalten und materielle Zerstörung.

  7. hagenglueck schreibt:

    Die Ausführungen über das falsche Allmachtgefühl Psychopathen kann ich ausnahmslos bestätigen.
    Ich erlaube mir mal etwas weiterzudenken…
    Eine beängstigendes Wort Allmacht, heißt das nicht im Gegenzug, wir sind ohnmächtig. Ich beschreibe meinen damaligen Zustand als ohnmächtig
    Von Alexander Solschenizyn stammt der Satz „wenn man einem Menschen alles nimmt, verliert man die Kontrolle über ihn“
    Ist es nicht an der Zeit, die steigende Anzahl von Psychopathen und Narzissten zu kontrollieren. Wie kann man das Verhalten von prominenten und nicht prominenten Steuerhinterziehern bewerten? Die Prominenz gibt ein sicherlich verfälschtes Bild durch die Medien wieder aber immerhin ein Bild, dürfen wir das nach Lektüre diesen Seiten präzisieren, mutmaßen oder gar diagnostizieren im nichtöffentlichem Bereich.
    Wie wollen wir Effekte der psychopathische Interaktionen auf unsere Gesellschaft bewerten, ist die Geld und somit Machtkonzentration nicht auch in einem kausalen Zusammenhang mit Psychopathen und Narzissten zusehen.
    Die Dringlichkeit besteht durchaus, die Geldkonzentration auf einige wenige hat ein ungekanntes Ausmaß angenommen. Macht und Geld sind der Treibstoffe dieser Subjekte, darauf kommt es ihnen an, übrigens wir wir hier alle wissen, vollkommen gewissenlos und somit skrupellos.
    Sind wir nicht alle vom Gesetzgeber im Stich gelassen worden. Ist es nicht eines Gedanken wert, warum haben Steuerhinterzieher als einzige die Möglichkeit zur Selbstanzeige im Strafrecht, mit nicht dem nicht unerheblichen Vorteil der Straffreiheit. Warum ist es noch nicht in der Debatte einer Gesetzesvorlage, die Persönlichkeitsrechte besser zu schützen.
    War Adolf Hitler ein Psychopath, sammelten sich um ihn nicht eine großes Anzahl von Narzissten um ihn war diese Konstellation nicht Auslöser für eine Massenpsychose, die 29 Millionen Tote forderten Juden und viele andersdenkende ermordete und neben zu, Europa in Schutt und Asche legte.
    Ich denke es ist unsere Pflicht dagegen vorzugehen.
    Die moderne Theologie ist auf dem Stand:
    Überzeugende Handlungen, überzeugend sprechen und sein Gegenüber zum Glauben zubewegen

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