Ratschläge für die Trennung von einem „Loser“ (1. Teil von 3)

Einführung:

Bitte lesen Sie zur Vorbereitung zuerst den Artikel „Wie erkennt man, dass man sich in einer Beziehung mit einem Psychopathen befindet?“ von Claudia Moscovici. Dieser Artikel nimmt Bezug auf die ‚originalen 20 Warnsignale’ von Dr. Joseph Carver, die leider nicht auf Deutsch erhältlich sind. Claudia Moscovici’s Text geht die 20 Warnsignale speziell am Beispiel des Psychopathen durch (Psychopathie ist eine Unterart der Antisozialen Persönlichkeitsstörung).

Der hier übersetzte Text ist ein Ausschnitt aus den ‚originalen 20 Warnsignalen’ von Dr. Carver (“The Loser – Warning Signs You’re Dating a Loser”). Sie können diesen Artikel hier finden, unter „Identifying Losers, Controllers and Abusers in Relationships“ (englische und spanische Version).

Im Text von Dr. Carver steht der Begriff „Loser“ nicht nur für Psychopathen, sondern er ist viel breiter gefasst: Der „Loser“ ist ein Partnertyp, der viel sozialen, emotionalen, psychologischen (und manchmal auch physischen) Schaden in einer Beziehung anrichtet. Oft leidet der „Loser“ unter einer (eventuell gut versteckten) psychischen Krankheit oder Störung. Und besonders oft hat er eine der vier Persönlichkeitsstörungen (Abkürzung ‚PS’), die im DSM im Cluster B stehen:

Narzisstische PS, Borderline PS, Histrionische PS und Antisoziale PS. Carver bezeichnet die vier Persönlichkeitsstörungen des Cluster B auch als die „Beziehungs-Zerstörer“. Nebenbei: Persönlichkeitsstörungen können auch in kombinierter Form auftreten.

Ein Wort noch zu den gefährlichen Varianten des „Losers“:

Will man sich von einem gefährlichen „Loser“ trennen, kann es sein, dass man professionelle und rechtliche Unterstützung braucht, um sich zu schützen. Dr. Carver nennt zwei Gruppen von gefährlichen „Losern“: Physisch missbrauchende „Loser“ und Psychotische „Loser“/ bzw. „Loser“ mit einer schweren psychischen Krankheit.

– Physisch missbrauchende „Loser“: Hier ist oft die Hilfe von der Familie, von Exekutivorganen (gerichtliche Schritte, Polizei) oder von lokalen Opferberatungsstellen, Hilfestellen bei Missbrauch/häuslicher Gewalt nötig.

– Psychotische „Loser“/„Loser“ mit einer schweren psychischen Krankheit: Der Film „Eine verhängnisvolle Affäre“ („Fatal Attraction“) mit Michael Douglas und Glenn Close gibt ein (weibliches) Beispiel für einen solchen Loser. Einige dieser Loser erzählen wilde Geschichten und wollen einen glauben machen, dass sie mit der Mafia oder dem Geheimdienst in Verbindung stehen. Sie können (unheilbare) Krankheit oder Schwangerschaft vortäuschen. Sie können einen mit (angedeuteten) Morddrohungen einschüchtern. Will man die Beziehung beenden, können sie gewalttätig werden und einem den Eindruck vermitteln, dass man selbst/die Freunde/die Familie in ernster Gefahr ist. In solchen Fällen bleiben die Opfer dann oft in der missbrauchenden und kontrollierenden Beziehung, weil sie Angst um ihre Familie oder ihren Ruf haben. Oft sind solche Ängste unrealistisch, denn der Loser ist nur interessiert daran, einen zu kontrollieren. Doch diese Ängste fühlen sich sehr real an, wenn sie in Kombination mit den anderen Merkmalen des Losers auftreten.

Psychotische oder psychisch kranke „Loser“ können einen auch stalken oder belästigen. Bei Beendigung der Beziehung können sie körperliche Gewalt androhen, Waffen vorzeigen oder mit Mord respektive Selbstmord drohen. Hat man ein Date mit einer anderen Person, können sie einem folgen. Oder sie können die Person, die man trifft, bedrohen, mit Anrufen belästigen, Vandalismus aussetzen oder gar körperlich angreifen. Wenn man gerade eine Scheidung von einer anderen Person hinter sich hat oder eine andere Beziehung beendet hat, kann der Loser den Ex-Partner einschüchtern, aus Angst, dass man zu diesem zurückkehren könnte. Im Grunde gilt: Alles, was der Loser je einem anderen Menschen angetan hat, wird auf einen zukommen. Der Loser kann einem heimlich aufgenommene Fotos schicken, auf denen man selbst, die Kinder oder die Familie zu sehen sind. Und er kann andeuten, dass er diese finden und drankriegen kann. Es kann sein, dass man Hilfe und gerichtliche Schritte braucht, um sich von einem solchen Menschen zu trennen.

Hier noch ein paar Stichworte zum Googeln: Frauenhäuser, Frauennotruf, Frauenberatungsstelle. Eine Hilfe für Sie kann vielleicht auch sein: ein Psychotherapeut (Psychologe, Psychiater), ein Sozialarbeiter oder die Telefonhilfe/-seelsorge (siehe auf der über-den-blog-Seite).

Ich habe mir lange überlegt, ob man Psychopathen per se zu den gefährlichen Losern zählen soll. Ich persönlich würde sagen, sie sind potenziell gefährlich. Menschen mit Psychopathie können sehr verschieden sein. Und viele sind übrigens nicht gewalttätig. Es kommt stark auf den einzelnen Fall drauf an.

Die Übersetzung:

Die Trennung von einem Loser umfasst oft drei Phasen: Die Ablösung, Die Beziehung beenden und Der nachfolgende Schutz.

Die Ablösung

Während dieser Phase in der Trennung vom Loser wird dir klar, was zu tun ist, und du erstellst einen „Ausstiegs“-Plan. Viele scheitern bei dem Versuch, sich von einem Loser zu trennen, weil sie ihn (oder sie) plötzlich und impulsiv verlassen, ohne einen ordentlichen Plan zu haben, und ohne Ressourcen. In vielen Fällen hat der Loser seine Partnerin (seinen Partner) von anderen Menschen isoliert, hat die Kontrolle über die Finanzen oder hat die Kontrolle über wichtige „Ausstiegs“-Güter, wie z. B. ein Auto. Während der Ablösungsphase solltest du auf Folgendes achten:

– Beobachte, wie er dich behandelt. Halte Ausschau nach den Methoden, die in der Liste mit den 20 Warnsignalen (Link siehe oben) beschrieben sind, und erkenne, wie der Loser funktioniert.

– Werde nach und nach langweiliger, rede weniger und teile seltener Gefühle und Meinungen mit. Das Ziel ist, den Loser fast anzuöden, um die emotionale Verbundenheit zu vermindern. Gleichzeitig wird so verhindert, dass eine Situation entsteht, die dich zu einer Zielscheibe macht.

– Kontaktiere im Stillen deine Familienangehörigen und andere, die dich unterstützen könnten. Stelle fest, welche Hilfe sie dir sein können: Ein Platz zum Wohnen, Schutz, finanzielle Hilfe etc.

– Falls du Gewalt oder Missbrauch fürchtest, prüfe die rechtlichen Möglichkeiten in deiner Wohngegend. Eine rechtliche Möglichkeit könnte z. B. ein Kontaktverbot sein.

– Wenn der Loser destruktiv ist, so entferne langsam deine Wertsachen aus dem gemeinsamen Zuhause oder versuche, Wertsachen von dir wiederzuerlangen, die sich in seinem Besitz befinden (bei getrennten Wohnungen). Es kommt häufig vor, dass man während der Trennung einige persönliche Gegenstände verliert – ein kleiner Verlust, wenn man dafür den Loser loswird.

– Hör auf, mit ihm über Angelegenheiten zu streiten, und Angelegenheiten zu diskutieren. Hör auf, dich zu verteidigen und dich zu rechtfertigen – antworte mit Bemerkungen wie z. B. „Ich bin in letzter Zeit so durcheinander“ oder „Ich stehe so unter Stress, ich weiss nicht, warum ich überhaupt noch irgendetwas mache“.

– Beginne damit, Andeutungen zu machen, dass du deprimiert/depressiv, ausgebrannt oder verwirrt (über das Leben im Allgemeinen) seist. Vergiss nicht: Der Loser übernimmt nie die Verantwortung für die Dinge, die in einer Beziehung passieren. Er wird sich bei Beendigung der Beziehung besser fühlen, wenn er die Schuld dir in die Schuhe schieben kann. Viele Frauen sind dazu gezwungen, die Verwirrte und Langweilig-lustlose zu spielen, damit der Loser anderen erzählen kann: „Meine Freundin ist halb verrückt!“ Er mag anderen erzählen, dass du verrückt bzw. verwirrt bist, doch du wirst dafür sicherer sein. Gestatte dem Loser, alles über dich zu denken, was er will, solange du dich im Prozess der Trennung befindest.

– Fange keine neue Beziehung an. Das würde deine Situation nur komplizierter machen, und die Wut vergrössern. Das Beste ist, wenn du dich für einige Monate unauffällig und still verhältst (für einige Monate „untertauchen“). Vergiss nicht: Der Loser wird sich rasch ein neues Opfer suchen und sich rasch an dieses binden, sofern du dafür sorgst, dass seine Fokussierung auf dich nachlassen kann.

– Wenn der Loser Verhaltensänderungen bei dir feststellt, gib zu, dass du verwirrt, niedergeschlagen/depressiv und gefühllos/dumpf bist und zeige weitere solcher langweiligen Reaktionen. Dies legt das Fundament für die Beendigung der Beziehung.

(Bitte schreibt hier nur Kommentare, die eine Verbindung zu obigem Artikel haben. Für andere Kommentare steht Euch das „Forum“ offen.)

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